Relativ morgen

»Wenn ich an diesem Haus ein Zimmer anbauen möchte, dann erzähle ich das erst mal in der Nachbarschaft herum, und zwar heute. Sollte es mehr als einen Maurer, einen Installateur, einen Zimmermann, einen Fliesenleger und einen Maler am Ort geben, dann werden mich diese in den nächsten Wochen entweder selbst oder durch ihre Tanten oder Cousins wissen lassen, dass sie die Besten sind, und natürlich die zuverlässigsten und billigsten. Ich werde sie dann der Reihe nach aufsuchen oder in der Taverne ansprechen. Bei dieser Gelegenheit bringe ich meine Freude über ihr nettes Angebot zum Ausdruck, sage ihnen aber auch, dass der Bau leider schon im Spätherbst fertiggestellt sein muss, weil ich zu Weihnachten Besuch erwarte. Sie versichern mir daraufhin, dass das überhaupt kein Problem sei, da man das gut zwischen die Wein- und die Olivenernte schieben könne. Wenn ich dann die Vor- und Nachteile für meine weitere Existenz in diesem Ort durchkalkuliert habe – und nicht etwa den Preis, der ändert sich ohnehin –, dann entscheide ich mich für eine Handwerksfamilie. Denn die Verwandten des besten Maurers sind selbstverständlich auch die besten Installateure, Zimmermänner, Fliesenleger und Maler – das versteht sich von selbst. Im September frage ich dann leise an, wann denn die Weinernte beendet sei und ich mit dem Beginn der Bauarbeiten rechnen könne. Anfang Oktober ist es soweit, wäre wohl die Antwort. So Mitte Oktober treffe ich dann den besten Maurer zufällig in seiner Stammkneipe und erfahre, dass sie avrio oder doch sehr bald anfangen werden.

Nach zwei weiteren Wochen, in denen ich die letzten warmen Sonnenstrahlen und die herrliche Ruhe meines Gartens genossen habe, frage ich dann noch mal nach. Jetzt ist es aber gerade ungünstig – wegen der Oliven – die müssen jetzt langsam runter von den Bäumen. Aber danach haben die besten Handwerker ja viel Zeit, und dann geht das auch alles ganz fix. ...