Aperitif - Variationen

... »Ich bevorzuge das Klare, das Ehrliche – und den Spritzer Bitterkeit der Zitrone.«

»Und das Salz der Olive?«, fragte sie amüsiert, während sie nach der grünen Frucht in ihrem Glas griff. »Bevorzugen Sie diese in der Bitterkeit der Klarheit schwimmend oder auf einem ordinären Teller ruhend?« »Nun«, erwiderte er, »die Klarheit erfordert sich zu entscheiden, nicht wahr? Das Flüssige im Glas, das Feste auf dem Teller.«

Sie nippte wieder an ihrem Glas und spülte das salzige Fruchtfleisch hinunter. »Für mich besteht der Reiz aus dem Dialog, aus der Harmonie der Bitterkeiten.«

Sie lauschten den dezenten, leicht sentimentalen Klängen des Pianos und den Geräuschen der Cocktailbar; dem harten Rascheln zerstoßenen Eises im Shaker, dem Quietschen und Knirschen frischer Fruchtstücke und Kräuter unter dem Stößel, dem feinen Knacken des Eises, wenn es auf Flüssigkeit traf, dem Klingeln des Barlöffels an Glas, dem Gluckern und Zischen, mit dem die Extrakte ihren Weg aus Flaschen und Jiggern in Schalen, Highballs, Collings und Tumblers gingen.

»Ist Ihr Freund immer so übervorsichtig?«, fragte sie mit deutlich kühlerer Stimme, »ich habe drei Stunden gebraucht, um diese schwachsinnig Losung auswendig zu lernen.« »Nun, in diesem Geschäft kann man nicht vorsichtig genug sein, Lady. Ich gehe ein hohes Risiko ein, finden Sie nicht?« »Natürlich. Das tun Sie«, konterte sie provokant schmeichelnd, aber das ist Ihr verdammt gut bezahlter Job, nicht wahr?«

»Den ich auch noch eine Weile ausüben möchte«, gab er trocken zurück. »Sie sind nicht die Erste und werden nicht die Letzte sein, die sich eines Problems mittels Geld zu entledigen vermag.« ...