Verwicklung


Ihr Atem hatte sich noch nicht ganz normalisiert, als sie sich aufrichteten und nach den halbvollen Rotweingläsern griffen. Während Nikos einen kleinen Schluck nahm, legte er seinen Arm um ihre Schultern und zog sie vorsichtig an sich, damit kein Wein aus ihrem Glas auf das fast farbgleiche Bettlaken schwappte. Maria liebte diese Farbe, vor allem im Schlafzimmer. Sie setzte ihr Glas vorsichtig auf dem Tischchen neben dem Bett ab, kuschelte sich an seine Brust und grunzte zufrieden: »Ich liebe Dich – und diesen Mavrotragano!«

Nikos schmunzelte. Sie war verrückt nach diesem schweren Wein, nach seiner tiefroten Farbe und seinem erdigen Bouquet. Vor Jahren hatte Maria den Winzer kennengelernt, der die seltene Mavrotragano-Traube auf der vulkanischen Erde Santorinis kultivierte. Obwohl der Wein auf wenige Flaschen pro Jahr limitiert war, schickte er ihr seither von jedem neuen Jahrgang zwei – mit den besten Grüßen an ihren Vater. Der aber hatte niemals eine der Flaschen zu Gesicht bekommen. Nicht, weil Maria beide für sich behalten wollte, sondern weil ihr Vater empört gewesen wäre, hätte er geahnt, dass seine Tochter einen anderen Wein dem seinen vorzog. Egal, wie viele Auszeichnungen ein griechischer Wein auch erhalten hatte, er war davon überzeugt, dass seine Reben die besten und seine Weine die reinsten und edelsten waren, die der hellenische Boden hervorzubringen vermochte. »Wenn die Götter auf dem Olymp mit Wein anstoßen«, pflegte er zu sagen, »sind ihre Kelche mit unserem Traubensaft gefüllt.«

»Komm, erzähl, wie es gelaufen ist«, sagte Nikos und strich ihr über das lange, von ihrem stürmischen Liebesspiel zerzauste Haar. Sie richtete sich langsam auf und schob die Kissen in ihrem Rücken zurecht. Er drehte sich etwas auf die Seite, sah sie an und wartete. Er wollte sie nicht drängen, denn einfach war die Woche auf der Insel gewiss nicht für sie gewesen.

»Was sie nun wirklich bei uns wollten, hat mir niemand gesagt«, begann Maria zaghaft. »Ich habe immer wieder gefragt, wonach sie denn eigentlich suchten, aber sie verwiesen mich jedes Mal an den holländischen Ermittler und der meinte, er dürfe mir keine Auskunft geben.« »Haben sie denn irgendwas gefunden?«, fragte Nikos. »So viel ich weiß, nicht«, antwortete Maria. »Erst haben sie das ganze Haus auf den Kopf gestellt, dann ...